Tierhaltung

Hallo an alle!

Da ich in meiner Zeit „vegan zu leben“ oft mit „Alles-Essern“ in Diskussionen verfallen bin (wie bestimmt jeder unter euch), möchte ich in diesem Beitrag für beide Seiten (einmal die Veganer und einmal die Alles-Esser) aufzeigen, was unter den unterschiedlichen Bezeichnungen für Tierhaltung steckt.

Denn mir ist aufgefallen, dass sich Alles-Esser ziemlich oft damit rechtfertigen doch so oft wie möglich „bio“-Fleisch zu kaufen. Aber oftmals wissen sie nicht was genau dieses „bio“ bedeutet. Das wusste ich bis vor kurzem auch nicht so genau. Aber festzuhalten ist, dass „bio“ alles andere als „viel besser“ ist.

Hier einmal ein paar Erklärungen zu den unterschiedlichen Formen der Tierhaltung heute.

Allgemeines über Landwirtschaft, Tierzucht, Tierhaltung:

„Für die deutsche Landwirtschaft sind Tierzucht und Tierhaltung wichtige Standbeine. Die Tiergesundheit ist dabei ganz zentral für das Wohlergehen und die Leistungsfähigkeit der Tiere. Dazu tragen sichere Futtermittel, die verantwortungsvolle Anwendung von Tierarzneimitteln und eine effektive Vorbeugung und Bekämpfung von Tierseuchen bei.

Zentraler Grundsatz des Tierschutzgesetzes für alle Bereiche der Tierhaltung ist: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Das gilt auch für die Privathaushalte, in denen Millionen Haustiere gehalten werden.

Durch die Zunahme des internationalen Handels und die weltweit steigende Nachfrage nach Fleisch, Milch und Eiern steht die Nutztierhaltung ständig vor neuen Herausforderungen.

Für die Haltung von Nutztieren hat der Gesetzgeber zahlreiche Vorgaben an die Züchtung, Haltung, medizinische Behandlung, Transport und Schlachtung von Tieren gemacht. Sie zielen darauf ab, dass ein Tier seinen Bedürfnissen entsprechend gehalten und unnötiges Leid sowie Umweltbelastungen vermieden werden.

Wenn ein Landwirt seinen Tieren über die gesetzlichen Mindestanforderungen deutlich hinausgehende Bedingungen bietet, können die Produkte mit dem vom BMEL initiierten und geförderten Tierschutzlabel gekennzeichnet werden.“

(Quelle: https://www.bmel.de/DE/Tier/tier_node.html )

  1. Massentierhaltung
  2. Bio Tierhaltung
  3. Artgerechte Tierhaltung

Massentierhaltung:

„In der Massentierhaltung leben und sterben allein in Deutschland etwa 745 Mio. Tiere pro Jahr, Stand 2017 (vorläufige Zahlen) – exkl. Fische und Krebstiere. Hier werfen wir einen Blick hinter die Fassade der Agrarindustrie und stellen Ihnen vor, wie die sogenannten »Nutztiere« gehalten werden.

Gemeinsamkeiten in der Massentierhaltung:

Bevor wir die einzelnen Haltungsformen im Detail vorstellen, sei erwähnt, welche Gemeinsamkeiten in den verschiedenen Formen der Massentierhaltung bestehen:

  • Die meisten Tiere werden gewaltsam den Haltungsformen angepasst: Hörner, Ringelschwänze, Schnäbel und z. T. auch Zähne werden ohne Betäubung gekürzt/abgetrennt (die Hühnermast bildet eine Ausnahme, weil die Tiere so jung geschlachtet werden).
  • Wesentliche Grundbedürfnisse der Tiere werden ignoriert und ihre Bewegungsfreiheit wird stark eingeschränkt.
  • Um die Tiere trotz unpassender Haltung leistungsfähig zu erhalten, ist eine häufig routinemäßige Abgabe von Antibiotika unvermeidlich geworden, was auch Gefahren für die menschliche Gesundheit mit sich bringt.“

( Quelle: https://albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung )

Zusammenfassend zur Massentierhaltung:

  • Eine hohe Tierzahl pro Betrieb
  • Hohe Besatzdichten, sowie eine hohe Mechanisierung
  • Die Anzahl landwirtschaftlich genutzter Tiere hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen
  • Zudem eine Abnahme der Anzahl der Betriebe, neben der Erhöhung der genutzten Tiere im Betrieb
  • 100.000 Legehennen, 10.000 Masthühner oder Puten sind pro Betrieb die Regel
  • Tiere werden auf engstem Raum in reizarmer Umgebung gehalten
  • Haltung in Käfigen, Ställen ohne Tageslicht, in Anbindehaltung, kleinen Buchten oder Kastenständen
  • Stark eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit der Tiere
  • Durch die Bewegungseinschränkung, die Enge, die strukturlose Umgebung kann das arteigene Verhalten (Bewegung, Ruhe, Futteraufnahme, Erkundungs-, Komfort- oder Sozialverhalten) nicht ausgelebt werden
  • Die Tiere werden den Haltungssystemen angepasst und nicht das Haltungssystem den Tieren
  • Um gegenseitige Verletzung der Tiere zu verhindern werden Hennen und Puten die Schnäbel entfernt, Ferkeln die Zähne und Schwänze und Rindern die Hörner
  • Die Produktion von Milch, Eiern und Fleisch ist in der Massentierhaltung einbegriffen
  • Nur wenige Quadratmeter stehen einem Tier zur Verfügung
  • Beispiel: Schweine in ihren natürlichen Verhalten brauchen ca. 8 Stunden in der freien Natur zur Nahrungssuche und legen dabei ca. 30 km zurück. In der Massentierhaltung geht es hier nur darum, dass diese gemästet werden und kein Auslauf haben. Denn dies erbring mehr Fleisch
  • Es existiert auch die Massentierhaltung in der Fischindustrie

 

( Quelle 1: https://www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/landwirtschaft/was-ist-massentierhaltung/

Quelle 2: https://vebu.de/tiere-umwelt/massentierhaltung-ausbeutung-von-tieren/)

Bio Tierhaltung:

„Begriffe wie „Öko“ und „Bio“ verknüpft der Verbraucher und die Verbraucherin automatisch mit glücklichen Tieren und „artgerechter Haltung“, freilaufenden, zufriedenen Tieren, die ihre arteigenen Bedürfnisse ausleben können und nicht zum bloßen „Nutztier“ degradiert werden. Dabei stehen weder „Öko“ noch „Bio“ für „glückliche Tiere“ und auch von „artgerechter Haltung“ kann auf Biobetrieben keine Rede sein. Die Lebensbedingungen der Tiere unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der Tiere in der konventionellen Massentierhaltung. Ihr „Plus“ sind nur einige Zentimeter mehr Lebensraum.

Ein 100 kg schweres Mastschwein wird wahrscheinlich nicht bedeutend glücklicher dadurch, dass ihm statt 0,65 qm (konventionelle Haltung) dann 2,3 qm Platz als „Bioschwein“ zugestanden werden. Auch hat solch ein „Bioschwein“ keinen Anspruch auf tatsächlichen Freilauf im Grünen und sieht wie seine Artgenossen in der konventionellen Haltung in der Regel niemals eine Wiese oder gar Waldboden unter seinen Füßen. „Öko“ ist nicht ein glückliches Schwein, welches nach Herzenslust im Wasser planschen darf – Öko täuscht bewusst tierfreundliche Verbraucher und gaukelt eine heile Nutztierwelt vor, wo keine ist.

Niemand denkt bei einem Bio-Ei daran, dass auch bei der Zucht von Bio-Legehennen die männlichen Küken an ihrem ersten Lebenstag vergast, zermust oder anderweitig getötet werden, weil ihre Mast nicht rentabel wäre. Für die Produktion von Bio-Milch und Milchprodukten muss eine Bio-Kuh jedes Jahr ein Kalb austragen – ein Kalb, welches auch der Bio-Milchkuh kurz nach der Geburt weggenommen wird und als „Nebenprodukt“ keinen Anspruch auf die Gesellschaft und die Milch der eigenen Mutter hat.“

Hierzu EG- Ökorichtlinien:

Die EG-Ökorichtlinien räumen letzte Vorstellungen einer „artgerechten Tierhaltung“ aus. Laut EG-Recht (siehe vor allem Anhang III) steht z.B. einem „Öko-Kälbchen“ bis 100 kg Gewicht ein „Lebensraum“ von insgesamt 2,6 qm zu; diesen Lebensraum hat es für sich ganz allein, denn auch „Öko“ lässt zu, dass Kälber schon in den ersten Lebenstagen von ihren Müttern getrennt und isoliert z.B. in so genannten Kälber-Iglus aufgezogen werden. „Öko“ – Milchkühe führen ihr „glückliches Leben“ auf sage und schreibe 10,5 qm. Eine Sau und ihre durchschnittlich 12 Ferkel auf 10 qm „Lebensraum“ erfüllen ebenso die Öko-Richtlinie. Später stehen diesen Ferkeln bis zu einem Gewicht von 50 kg 1,4 qm Schweinebucht zur Verfügung. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen in konventioneller Haltung haben sie ein paar Halme Stroh unter den Füßen. Weder Kälbern noch Ferkeln noch Masttieren wird nach den Öko-Richtlinien Freilauf „auf der grünen Wiese“ zugestanden. Ihre „Privilegien“ als Öko-Tiere: sie haben Anspruch auf einen Blick nach draußen, auf Wasser und auf ein bisschen Stroh.

( Quelle: http://www.biowahrheit.de/inhalt/hintergrund.htm )

Zusammenfassend zur Bio-Tierhaltung:

  • Kein wesentlicher Unterschied zwischen Bio- & Massentierhaltung, es geht nur um ein bisschen mehr Lebensraum, obwohl eine andere Quelle besagt, dass ein wesentlich höheres Platzangebot vorgeschrieben sei (hier doppelt so groß wie in der Massentierhaltung)
  • Es existiert nicht immer Auslauf in freier Natur
  • auch bei Bio-Eiern werden die männlichen Küken geschreddert, da sie als unbrauchbar angesehen sind
  • hier bekommen die Tiere Stroh, was in der Massentierhaltung nicht so vorkommt
  • zudem bekommen die Tiere die Möglichkeit im Freiland zu sein und können hier ihrem natürlichen Verhalten eher nachkommen als in der Massentierhaltung
  • In der Bio Tierhaltung dürfen Hühner nach frühestens 81 Tagen getötet werden und in der Massentierhaltung dürfen sie 28-40 Tage alt werden
  • Somit existiert hier eine doppelt solange Mastzeit wie in der Massentierhaltung
  • Bio-Legehennen werden nicht älter als die in der Massentierhaltung (1,5 Jahre dürfen sie alt werden)
  • Die Bio Tierhaltung verbietet die schmerzhaften Eingriffe wie beispielsweise die Entfernung der Hörner (etc., siehe Massentierhaltung oben)

(Quelle: https://www.boelw.de/service/bio-faq/landwirtschaft/artikel/wie-werden-die-tiere-auf-bio-betrieben-gehalten/ )

Hier findet ihr ein Video, bei der gezeigt wird, wie Bioschweine leben:

http://www.bio-wahrheit.de/

Artgerechte Tierhaltung:

Artgerechte Haltung bezeichnet eine Form der Tierhaltung, die sich an den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere orientiert und insbesondere auf die angeborenen Verhaltensweisen der Tiere Rücksicht nimmt. So hebt sie, im Unterschied zur Massentierhaltung, die artspezifischen Bedürfnisse der Tiere hervor.“

Kriterien hierzu sind:

„Zu der bereits erwähnten generellen Anpassung an den Lebensraum des Tieres gehören unter anderem ein ausreichendes Platzangebot für jedes Tier, welches auch Rückzugsmöglichkeiten und weit reichenden Auslauf bietet, voneinander getrennte Bereiche für Fressen, Defäkieren und Liegen, ein der Tierart bestmöglich angepasstes Stallklima und ein Futterangebot, wie es das Tier auch im natürlichen Umfeld vorfinden würde, welches also seiner spezifischen Ernährungsphysiologie entspricht. Zusätzliche Beschäftigungs- und Pflegemöglichkeiten wie Massagegeräte können durch die Tiere selbständig ausgelöst und genutzt werden, um nicht mehr vorhandene Möglichkeiten beispielsweise des Schabens an Bäumen in freier Natur zu substituieren.

Zu beachten ist auch eine dem Sozialverhalten der Tiere entsprechende Größe der gehaltenen Tiergruppe. Des Weiteren sollte auch bei der Tötung der Tiere möglichst deren Würde nicht herabgesetzt und diese als Lebewesen respektiert werden.

Gemäß dem Tierschutzgesetz der Schweiz sollen durch tiergerechte Stalleinrichtungen haltungsbedingte Schäden und Krankheiten vermieden und das Wohlbefinden der Tiere gefördert werden. Deshalb benötigen serienmässig hergestellte Schweizer Stalleinrichtungen und Aufstallungssysteme eine amtliche Bewilligung.“

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Artgerechte_Haltung )

Zusammenfassend zur artgerechten Tierhaltung:

  • Ausreichendes Platzangebot für jedes Tier mit Rückzugsmöglichkeiten, Auslauf, getrennten Fressbereichen etc.
  • Futterangebot, wie es der jeweiligen Ernährungsphysiologie entspricht
  • Beschäftigungs- und Pflegemöglichkeiten (Massagegeräte, Schaben an Bäumen im Freien)
  • Entsprechende Größe der Tiere in Gruppen aufgrund des jeweiligen Sozialverhaltens
  • Tötung der Tiere in Würde, ohne diese herabzusetzen (fraglich hier für mich, wie man ein Lebewesen in „Würde“ töten kann. Mord ist nun mal Mord und bleibt es!)
  • Tiergerechte Stalleinrichtungen vermeiden Krankheiten, Schäden und fördern das Wohlbefinden der Tiere

Komplett zusammenfassend:

Da ich selbst vegan lebe, kommt hier nichts für mich und meine Moral in Frage. Allerdings denke ich, dass es in der Bio-Haltung noch viele Unklarheiten gibt, die mir selbst nicht schlüssig werden konnten. Es scheint hier nochmal Unterschiede zu geben in der Bio-Haltung selbst.

Die artgerechte Haltung wäre die Einzige, die noch akzeptabel ist, will man nun Fleisch essen mit „besserem“ Gewissen.

Ich hoffe euch hat der Beitrag etwas Klarheit über die unterschiedlichen Formen der Tierhaltung gegeben. Vor allem hoffe ich, dass Alles-Esser weniger zur Massentierhaltung zurückgreifen und sich darüber erkundigen, wo sie in ihrer Nähe einen Metzger finden, der nach artgerechter Tierhaltung die Tiere hält.


Facebook: https://www.facebook.com/Löwenherz-Vegan-319829301553398/

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